PLA+ oder HIPS? Was ist sinnvoller für visuelle Prototypen, Gehäuse und Desktop-Halterungen?

 In Aus der Werkstatt

PLA+ und HIPS wirken auf den ersten Blick so, als würden sie in ähnliche Einsatzbereiche fallen, in der Praxis sprechen sie jedoch unterschiedliche Erwartungen an. Während das eine Material meist einen einfacheren und risikoärmeren Produktionsablauf bietet, kann das andere bei geringem Gewicht, guter Bearbeitbarkeit und in bestimmten Prototypenszenarien Vorteile bringen. Wenn Sie überlegen, ein Bauteil mit einem 3D-Druckservice fertigen zu lassen, ist es sinnvoller, die Unterschiede zwischen diesen beiden Materialien bauteilbezogen zu bewerten.

Wann ist PLA+ sinnvoller?

PLA+ zielt im Vergleich zu Standard-PLA bei den meisten Herstellern auf eine etwas zähere und für den Alltag besser geeignete Materialcharakteristik ab. Deshalb wird es häufig für Desktop-Organizer-Teile, kleine Gehäuse, visuelle Prototypen, Mock-ups, leicht belastete Halterungen und Bürohilfsmittel bevorzugt. Da es im Druckprozess in der Regel besser vorhersehbare Ergebnisse liefert, ist es besonders vorteilhaft für Nutzer, die schnell ein Muster sehen möchten.

Die große Stärke von PLA+ ist die einfache Druckbarkeit. Das Warping-Risiko ist vergleichsweise gering, die Oberflächenqualität ist in der Regel zufriedenstellend und Maßabweichungen sorgen seltener für Überraschungen. Deshalb ist es besonders bei Prototypen in der ersten Iteration eine sinnvolle Wahl, um ein Design schnell zu validieren. Auch für alle, die im Bereich Online-3D-Druck schnell ein Angebot sehen möchten, vereinfachen leicht zu verarbeitende Materialien den Prozess oft deutlich.

Wann ist HIPS im Vorteil?

HIPS kann dagegen für relativ leichte, bearbeitbare Bauteile in Betracht gezogen werden, die bei Stößen nicht spröde reagieren sollen und sich gut schleifen lassen. Besonders bei Gehäusen für visuelle Prototypen, später zu schneidenden oder zu bohrenden Einhausungen sowie Schalenbauteilen, die leichte Stöße abbekommen können, kann es sinnvoll sein. Außerdem wird es in manchen Anwendungen auch als Stützmaterial erwähnt; hier liegt der Fokus jedoch auf der Auswahl als eigenständiges Bauteilmaterial.

Ein Vorteil von HIPS ist, dass es dem Anwender bei der Nachbearbeitung mehr Spielraum bietet. Es kann nützlich sein bei Modellen und Präsentationsteilen, die geschliffen, oberflächenkorrigiert oder vor dem Lackieren vorbereitet werden müssen. Allerdings ist das Druckverhalten nicht immer so unkompliziert wie bei PLA+; Druckereinstellungen, Haftung auf dem Druckbett und Umgebungsbedingungen können kritischer werden.

Welche Unterschiede gibt es bei Wärme, Schlagbelastung und im Außenbereich?

Einer der wichtigsten Punkte bei der Entscheidung zwischen diesen beiden Materialien ist die Einsatzumgebung. PLA+ ist für den Innenbereich und gemäßigte Bedingungen die sicherere Ausgangswahl; bei heißen Umgebungen, längerer Sonneneinstrahlung oder Einsatzszenarien wie im Fahrzeuginnenraum ist jedoch Vorsicht geboten. Auch HIPS ist nicht automatisch die richtige Wahl für den Außenbereich. Für Bauteile, die langfristig Sonnen- und Witterungsbeständigkeit erfordern, sind in der Regel andere Materialien besser geeignet. Wenn Sie also ein Bauteil für den Außenbereich fertigen lassen möchten, ist es sinnvoll, zuvor auch die Alternativen auf der Seite unsere Druckmaterialien zu prüfen.

Bei Schlagbelastung kann PLA+ im Vergleich zu Standard-PLA etwas toleranter sein; dennoch verschwindet das Risiko eines Bruchs bei harten und plötzlichen Belastungen nicht vollständig. HIPS kann sich dagegen in manchen Anwendungen mit leichten Stößen ausgewogener verhalten. Für technische Bauteile, die sehr hohen Temperaturen ausgesetzt sind, sind jedoch beide Materialien nicht immer die idealen Kandidaten.

Wofür ist es geeignet und wofür nicht?

  • PLA+: geeignet für schnelle Prototypen, Desktop-Halterungen, visuelle Produktmuster, leicht belastete Gehäuse und Trägerteile.
  • PLA+: bei hoher Wärme, langfristigem Außeneinsatz und starker mechanischer Belastung ist Vorsicht geboten.
  • HIPS: sinnvoll für Prototypenabdeckungen, Einhausungen und Schalenbauteile mit leichter Schlagbelastung, die nachträglich bearbeitet werden.
  • HIPS: für Anwender, die einen mühelosen Druck und den risikoärmsten Ablauf schon beim ersten Versuch wünschen, ist es nicht immer die einfachste Option.

Kostenlogik und welches Material für welches Bauteil?

Die Entscheidung sollte nicht allein anhand des Spulenpreises getroffen werden. Die tatsächlichen Kosten ergeben sich daraus, ob der Druck auf Anhieb gelingt, wie hoch die Ausschussquote ist, ob eine Oberflächennachbearbeitung nötig wird und wie lange die gesamte Produktion dauert. Deshalb ist neben dem Preis pro Gramm auch entscheidend, mit welchem Material sich das Bauteil problemloser fertigen lässt.

Wenn das Ziel ein schneller, sauberer und gut vorhersehbarer Prototyp ist, ist PLA+ für die meisten Nutzer die sinnvollere Wahl. Wenn das Bauteil dagegen ein Gehäusekörper ist, nachträglich geschliffen werden soll oder etwas mehr Stoßtoleranz gefragt ist, kann HIPS in Betracht gezogen werden. Kurz gesagt: PLA+ überzeugt bei einfacher Druckbarkeit und schneller Iteration, während HIPS bei bearbeitbaren Prototypen und leichter Stoßtoleranz punktet. Die beste Wahl sollte jedoch immer entsprechend dem tatsächlichen Einsatzszenario des Bauteils getroffen werden.

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