Lösliche Stützmaterialien: Saubere Oberflächen mit PVA und HIPS
Bei komplexen Geometrien sind Stützstrukturen unvermeidlich. Allerdings hinterlassen mechanisch entfernte, abgerissene oder geschliffene Stützen immer Spuren auf der Oberfläche des Werkstücks. Genau an dieser Stelle kommen lösliche Stützmaterialien ins Spiel: Filamente wie PVA und HIPS lösen die Stützen nach dem Druck in einem chemischen Bad auf, anstatt sie mechanisch zu entfernen, sodass Ihr Werkstück mit einer makellos sauberen Oberfläche zum Vorschein kommt. In diesem Artikel untersuchen wir die beiden häufigsten löslichen Stützmaterialien – PVA und HIPS – im Detail und erklären, wann Sie welches Material bevorzugen sollten.
Was ist PVA (Polyvinylalkohol)?
PVA ist ein wasserlösliches Filament. In lauwarmem Wasser (40–60 °C) gelöst, löst es sich innerhalb weniger Stunden vollständig auf und hinterlässt keine Rückstände. Es bietet eine perfekte Kompatibilität mit bei niedriger Temperatur gedruckten Materialien wie PLA und PETG. Der größte Vorteil ist, dass außer Wasser keine Chemikalien erforderlich sind. Sie können es problemlos in der Küche oder Werkstatt einsetzen. Es gibt jedoch einige Aspekte bei PVA, die beachtet werden sollten: Es zieht Feuchtigkeit sehr schnell auf, weshalb es in einer trockenen Umgebung gelagert und vor dem Druck unbedingt getrocknet werden muss. Da PVA bei einer niedrigeren Temperatur als PLA/PETG gedruckt wird, besteht das Risiko einer Düsenverstopfung, wenn die Temperaturübergänge nicht richtig eingestellt sind.
Was ist HIPS (hochschlagfestes Polystyren)?
HIPS ist ein Filament, das sich in einem organischen Lösungsmittel namens D-Limonene auflöst. Da es bei fast der gleichen Drucktemperatur wie ABS (230–245 °C) funktioniert, wird es besonders als Stützmaterial für ABS-Teile bevorzugt. Nach Abschluss des Drucks können Sie das Werkstück in eine Limonenlösung tauchen, um die HIPS-Stützen vollständig aufzulösen, während das ABS-Hauptteil unversehrt bleibt. HIPS ist feuchtigkeitsbeständiger als PVA und daher toleranter bei der Lagerung. Der Nachteil ist, dass D-Limonene einen starken Geruch hat und das Lösungsmittel fachgerecht entsorgt werden muss.
PVA oder HIPS? Ein Entscheidungsleitfaden
Bei der Wahl zwischen den beiden Materialien können Sie folgende Faktoren berücksichtigen:
- Falls Ihr Hauptmaterial PLA oder PETG ist: PVA ist die beste Wahl. Es funktioniert im gleichen Temperaturbereich und die Wasserlöslichkeit ist die praktischste Methode.
- Falls Ihr Hauptmaterial ABS ist: HIPS ist die ideale Kombination. Es teilt dieselbe Bettheizttemperatur und geschlossene Kammer-Anforderungen, und das Lösungsmittel schadet ABS nicht.
- Falls Sie keine Chemikalien verwenden möchten: Wählen Sie PVA. Nur lauwarmes Wasser ist erforderlich.
- Falls längere Lagerung an der Luft erforderlich ist: HIPS ist feuchtigkeitsbeständiger als PVA.
Was Sie für den Druck mit löslichen Stützen benötigen
Um mit löslichen Stützmaterialien zu drucken, benötigen Sie einen Drucker mit Doppelextruder oder IDEX (Independent Dual Extrusion). Sie müssen Hauptmaterial und Stützmaterial in Ihrem Slicer separat definieren und die Temperaturprofile richtig konfigurieren. Cura, PrusaSlicer und OrcaSlicer haben vordefinierte Profile für PVA und HIPS. Das Feintuning für Ihren eigenen Drucker liefert jedoch immer bessere Ergebnisse. Die Schichtabstandshöhe zwischen Haupt- und Stützmaterial kann bei PVA etwas höher eingestellt werden, um die Temperaturdifferenz auszugleichen.
Lösliche Stützmaterialien sind kostspieliger als Standard-Filamente. Daher ist es wirtschaftlich sinnvoll, sie nur bei Stellen zu verwenden, wo das mechanische Entfernen schwierig ist – bei inneren Kanälen, unterschnittenen Bereichen und feinen, detaillierten Brücken. Wenn Sie normale Filamente für einfache Stützstrukturen und lösliche Materialien nur für kritische Bereiche verwenden, erzielen Sie ein gutes Gleichgewicht zwischen Kosten und Qualität.
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Um mehr über die Unterschiede zwischen PVA und HIPS zu erfahren, schauen Sie sich unseren Leitfaden Wasserlösliche PVA- und HIPS-Stützmaterialien an und entscheiden Sie, welches Material am besten zu Ihrem Arbeitsablauf passt.

